„Es war sehr tragisch, ihren Namen in einem Grabstein gemeißeln zu sehen- ihren Vornamen, mein Name tauchte natürlich nicht auf. Ich war zutiefst bewegt- auch von dem Gefühl der Sinnlosigkeit aller Reue.“ Oscar Wilde

Dieses Zitat taucht zu Beginn des Films auf, zwischendrin werden Bilder von Constances Wildes Grab gezeigt (Totale – Halbnah). Annährung bis hin zum Detail folgt im Verlauf des Films sowie des fiktionalen Dialogs.
Dann erfolgt Titel.
Ab diesem Moment kommunizieren die Friedhöfe bzw. die Gräber von Oscar Wilde und Constance Wilde in einem fiktiven Dialog, „Briefwechsel“ miteinander.

Auflösung:

Im Vordergrund des Films steht der fiktive Dialog, der über Stimmungsbilder der beiden Friedhöfe gelegt wird. Die Annäherung der zwei Ruhestätten erfolgt bildlich über die Totale bis hin zum Detail (Nahaufnahmen der jeweiligen Monumente im Zwiegespräch).
Regelrechte „Schlammschlachten“, das Wiederaufkeimen von ungelösten und unausgesprochenen Konflikten, die zwischen ihnen stehen:

• Der Entzug der eigenen Kinder seinerseits
• Die Verletzungen und Zurückweisung durch den Ehemann ihrerseits

sowie das Zueinanderfinden dieser beiden Individuen bestimmen den gesamten Verlauf des Films. Unterstützt durch „dreckige“ Aufnahmen im Regen (Pfützen, Spiegelungen der einzelnen Denkmäler...) wird der Schlagabtausch, das Aufnehmen „der mit ins Grab genommene“ Auseinandersetzungen ihrer gemeinsamen Vergangenheit.
Das jahrelange Schweigen wird gebrochen, der Dialog wird wieder aufgenommen.
Mit der Entwicklung des Gedankenaustauschs verschmelzen die beiden Friedhöfe nach und nach miteinander und finden auf allen Ebenen zu einem gewissen Zueinander.

Der Film wird aus der Perspektive einer Frau, aus Constances Sicht, erzählt. Sie transportiert die Vergangenheit ins Jenseits und somit in unsere Gegenwart.
Die Frage nach der Reue stellt sich immer und immer wieder. Zentrales Thema des Films bildet die These, ob ein bis heute gefeierter Dichter und Genie, wie Oscar Wilde es ist, das Recht hat aufgrund seiner Genialität das Leben anderer zu zerstören. Auch inwiefern diese menschlichen, charakterlichen Schwächen verzeihlich sind und ob sie überhaupt verzeihlich sind, werden von der Vergangenheit in die Transzendenz transportiert und stellen somit den Bezug auf unsere Gegenwart.

Sowohl auf der Bild als auch auf der Tonebene nehmen zwei Gräber im Jenseits durch einen Briefwechsel Kontakt auf. Sie kommunizieren miteinander und finden im Verlauf des filmischen Essay zueinander, in der Hoffnung auf ein Verständnis beiderseits, einer Art „Vergebung“ seinerseits und auf einen möglichen „Inneren Frieden“ beider Individuen, die einst zehn Jahre im Diesseits miteinander verbracht haben.

Bilder außerhalb der Ruhestätten:

1. Constance Wilde im purpurrotem Brokatkleid (Hochzeitskleid) auf dem Weg (
durch Gassen) in die Kirche St. Germain des Près. (Ihr Pfad ist identisch mit dem, den der Trauerzug zu Oscar Wildes Begräbnis in der Kirche St. Germain des Près nahm)
Constance läuft entlang der Seine, wir sehen sie auf gegenüberliegender Straßenseite, sie passiert Menschen im Jetzt.

Constance Wilde in heutiger Kleidung auf dem Weg in die Kirche St. Germain des Près. (Gegenwart)
Weitere Bilder – Constance sitzt zusammen mit einem jungen Mann in einem Pariser Café. ( Darstellung des Abfallens der Naivität durch Selbsterkenntnis, sie ist selbstbewusster geworden)

Diese Aufnahmen kehren in dem Film immer wieder zurück, verschmelzen mit dem Dialog der Gräber bzw. mit den Bildern der Friedhöfe Père Lachaise und Staglieno. Roter Faden im Film, authentische Aufnahmen mit Steadycam, labyrinthmäßig gedreht .

2. Bilder aus dem Vergnügungsviertel in Paris in dem Oscar Wilde damals verkehrte. Aufnahmen von Prostituierten, Transvestiten
(allerdings nicht bei der Arbeit, sondern am morgen danach, die man nur noch anhand nicht ganz wegbekommener Schminke im Gesicht erkennt, ansonsten normal in z.B. Jogginganzug gekleidet.) inmitten von Besuchern dieser Meile.
Bewegungen sind langsamer, schweifen ineinander, schmelzen zusammen sind teilweise unscharf.

Bedeutung: Die Aufnahmen stehen symbolisch für die Extreme die Oscar Wilde in vollen Zügen auslebte transportiert in unsere Gegenwart, in der sich nicht viel geändert hat zu früher.